Nachdem die Blogs sich eingebürgert hatten und klar war, dass jedermann mit geringen Mitteln einen eigenen Blog beliebigen Inhalts auf die Beine stellen konnte, dauerte es nicht mehr lange, bis auch die Marketing-Fachleute die Blogs als Kommunikationsplattform für Unternehmen entdeckten. Sie versprachen sich davon, neue Zielgruppen unter den Internetnutzern gezielt und preiswert ansprechen zu können.
Unternehmensblogs schossen wie Pilze aus dem Boden. Mittlerweile allerdings hat sich Ernüchterung eingestellt. Nur gerade noch 5 der DAX30 unternehmen betreiben einen eigenen Blog. Doch wieso scheinen die Corporate Blogs so schnell wieder zu verschwinden, wie sie gekommen sind?
Der Hauptgrund ist, dass es an Lesern fehlt. Blogs leben vom lebendigen Dialog unter den Nutzern. Und wenn die Beiträge in einem Blog nicht kommentiert werden, dann sieht jeder auf den ersten Blick, dass hier wenig los ist. Und das ist schlecht fürs Image. Man könnte fast schon sagen, es ist Anti-Werbung.
Manche der Corporate Blogs werden von Mitarbeitern betreut, was natürlich relativ zeitintensiv ist und dann schnell immer weniger aktuell wird. Andere, die für relativ viel Geld von Agenturen betreut werden, wirken einfach zu professionell und zu glatt und laden schon deshalb nicht zum Mitmachen ein.
Bsp.: Die Fischer-Gruppe, ein Hersteller von Befestigungslösungen hat 2006 einen Blog ins Leben gerufen und wurde dabei von einer Agentur unterstützt. Das unternehmen wollte ein Netzwerk für Experten schaffen, über das schnell zugängliche Branchentrends kommuniziert werden sollten. Nach anfänglichem Elan wurden die Neueinträge immer weniger – schon im März 2007 wurde der Blog wieder eingestellt.
Nach einer Studie haben etwa die Hälfte aller befragten PR-Fachleute in der nächsten Zeit nicht vor, sich mit dem Thema Blog zu beschäftigen. Gründe sind nicht nur diverse gescheiterte Projekte. Meist ist der Grund simpel und einfach Personalmangel oder die Angst vor Kontrollverlust über die Kommunikation. Befürchtet wird auch, dass Interna zu schnell an die Öffentlichkeit gelangen, weil nicht klar genug festgelegt ist, wer mitblogt und was kommuniziert werden darf.
Wenn das Ziel eines Blogs jedoch von vornherein ganz klar definiert wird, kann er schnell messbare Gewinne bringen. Will man über einen Blog Hochschulabsolventen für sein Unternehmen interesieren, dann lässt sich der Erfolg relativ einfach messen. Genauso, wenn man über den Blog Kunden befragen möchte und so Geld für Marktforschung sparen will. Das A und O ist ein klares, deutliches Ziel. Ein Netzwerk für Experten zu schaffen, ist ganz offenbar nicht klar genug.
Es gibt auch viel Skepsis von Internetnutzern gü. Firmenblogs. Sie gelten als längst nicht so glaubwürdig wie private Blogs. Aber das ist wohl auch nicht zu erwarten. Werbung gilt auch nicht als sonderlich glaubwürdig. Und doch wird eine ganze Menge Geld dafür ausgegeben.
Es gibt auch schon eine Reihe erfolgreicher interner wie externer Unternehmensblogs. Allerdings wird es wohl noch Zeit brauchen, bis eine transparente Unternehmenskultur, die dafür nötig ist, auch gelebt werden kann. Zu viel Transparenz wird heute noch zu oft als Risiko gesehen. Es gibt aber auch neue Trends, zum Beispiel Flash-Blogs, die nur bei Bedarf und für kurze Zeit online gehen. So vermeidet man auf jeden Fall das Risiko, dass der Blog nicht aktuell ist. Es gibt auch einen Trend, Blogs im Unternehmen als Hilfsmittel für Wissensmanagement zu verwenden. Siemens zum Beispiel macht intern Informationen über einen Blog den Mitarbeitern zugänglich.