Affiliate-Marketing boomt derzeit im online-marketingmäßig allgemein nicht sehr fortschrittlichen, sondern eher abwartenden Deutschland. Experten prognostizieren starke Zuwächse für die nächsten Jahre. Was so modern klingt, ist im Grunde ein alter Hut: Es greift auf altbewährte Vertriebsstrukturen, namentlich auf das Prinzip der Netzwerkpartner, zurück. Ein Vertriebspartner, der Affiliate, bewirbt auf seiner Internetseite Produkte oder Dienstleistungen eines anderen Unternehmens, des Merchants. Der Merchant zahlt zunächst nichts, das heißt, ihm entstehen keine fixen Kosten und somit bekommt er auf jeden Fall erst einmal ein Gratis-Branding. Im Fall einer Transaktion wie beispielsweise eines Verkaufs oder einer Kontaktaufnahme per Formular erhält der Affiliate eine Provision. Eine Transaktion kann beispielsweise das Hinterlassen einer Adresse oder das Abonnieren eines Newsletters sein. Üblich sind drei verschiedene Provisionen: Pay-per-click, Pay-per-sale und Pay-per-lead oder auch Mischformen davon. Während die ersten beiden selbsterklärend sind, bezieht sich Payper- lead auf neue Interessenten, Abonnenten, auf eine Adresse oder einen Download.
Ein prominentes Beispiel für sehr erfolgreiches Affiliate-Marketing ist der Online-Buchhändler Amazon, der bereits 1998 60.000 Partner hatte. Heute sind es mehr als eine halbe Million. Amazon und viele andere Merchants stellen den Affiliates Werbemittel aller Art zur Verfügung. Das können ganz normale Textlinks sein, aber auch verschiedene Banner und Buttons, die in die Website integriert werden. Manchmal handelt es sich auch um „Smart Content“, also um eine dynamische Aktionsbox auf der Seite des Affiliate, in die aktuelle Angebote des Merchant automatisch eingespeist werden. Es kommt sogar vor, dass der Merchant dem Affiliate Keyword-Datenbanken zur Verfügung stellt, die dazu führen, dass die Seite des Affiliate in Suchmaschinen besser gefunden wird, wodurch dann natürlich wiederum der Merchant profitiert. Das sind nur einige Beispiele, von denen es noch viele mehr gibt. Damit nun Affiliates und Merchants möglichst problemlos zueinander finden, gibt es Anbieter wie Affilinet oder Adbutler, die vermitteln und die die zum Betrieb des Partnerprogramms nötige Technologie bereitstellen. Über solche Partnernetzwerke, von denen es einige große und viele kleine im Internet gibt, wird häufig auch Abrechnung, Statistik und Controlling abgewickelt. Von solchen Partnernetzwerken zu unterscheiden sind die Anbieter von Partnerprogrammverzeichnissen, wie www.partnerprogramme.com oder www.affiliate.de. Sie übernehmen lediglich eine Vermittlerfunktion und listen Partnerprogramme auf.
Quelle: Lmmenett, Erwin: Praxiswissen Online-Marketing (2006)